Mein Auslandsjahr

Update: Nur noch 4,5 Monate…

Letztes Wochenende sind wir zu unserer Mid-Year Orientation von YFU gefahren um die vergangenen 5,5 bis 6 Monate zu reflektieren. Wow, habe ich viel erlebt! Wie viele „erste Male“ es gab, kann ich schon nicht mehr zählen. Ich habe mir ein anderes Leben hier aufgebaut, andere Routinen entwickelt und ein komplett fremdes Umfeld ist mir so bekannt wie mein eigentliches Zuhause. Sobald ich zurückgucke wird mir erst bewusst wie viel ich gemeistert habe, wie viel sich verändert hat und wie bekannt und normal Fremdes geworden ist.

Als wir über unsere letzten Monate geredet haben, haben wir versucht unsere Stimmung/unser Wohlbefinden in einem Diagramm darzustellen. Das war eine ziemlich schwere Aufgabe, denn sowohl Freude als auch Unwohlsein kann man irgendwie im gleichen Moment fühlen. Zumindest habe ich die Erfahrungen gemacht. Das Auslandsjahr ist nicht nur eine gefühlsmäßige Achterbahn, wo es auf und ab geht. Nein. Irgendwie kann ich gegensätzliche Emotionen im gleichen Moment spüren. Und das macht mich manchmal verrückt. Also irgendwie konnte ich schon etwas in das Diagramm malen, aber es war nie komplett. Ich müsste mehrere Graphen zeichnen um das Chaos darstellen zu können 🙂

Nach dem Rückblick auf die letzten Monate sagte Einer: „ Ihr habt noch 4,5 Monate vor euch. 4,5 Monate um euer Auslandsjahr bedeutend zu machen, Erfahrungen zu sammeln und Freunde zu finden, die länger bleiben als du im Auslandsjahr warst. Was sind deine Ziele für diese 4,5 Monate? Was möchtest du erreichen?“  Wow. 4,5 Monate? Ernsthaft? Mein Auslandsjahr hat doch gerade erst begonnen! Ich habe doch gerade erst verstanden, wie alles läuft, wie ich mich hier wohlfühlen kann. Und um ehrlich zu sein, habe ich noch nicht richtig gute Freundschaften gefunden, die länger bleiben würden. Wie soll ich denn in so einer kurzen Zeit eine Freundschaft aufbauen, die ein, zwei oder drei Jahre hält bis man sich das nächste Jahr wiedersehen kann?

Erst in dem Moment ist mir so richtig bewusst geworden, dass ich immer nur gezählt habe wie viele Monate ich schon hier bin und nicht wie lang mir noch bleibt.

  • Mir bleiben nur noch 4, 5 Monate für meinen amerikanischen Alltag, den ich immer mehr lieben gelernt habe und mit so viel Mühe und Energie aufgebaut habe, dass ich es nicht einfach so einstürzen lassen kann.
  • Mir bleiben nur 4,5 Monate für meine Gastfamilie. Es ist nicht meine „richtige“ Familie hier. Das spüre ich. Und doch fällt es mir schwer mir vorzustellen sie vielleicht für immer verlassen zu müssen. Besonders die Family come togethers mit allen Verwandten zu Weihnachten, in der Kirche oder in dem einen indischen Restaurant werde ich sooo vermissen.
  • Mir bleiben nur 4,5 Monat um „die Deutsche“ zu sein. Das klingt erst einmal negativ, aber ich meine das im positiven Sinne. Unsere Kultur prägt unser ganzes Leben und lässt uns die Welt aus einer bestimmten Perspektive sehen. Und ich finde es wahnsinnig spannend, wenn Leute mich über Dinge in Deutschland fragen um ihren Horizont zu erweitern. Ich mag es diese kulturbedingten Gespräche zu führen.
  • Mir bleiben nur 4,5 Monate um in eine High-School zu gehen. Manchmal kann ich es echt nicht mehr ab jeden Tag in die High-School zu gehen, jeden Tag den gleichen Stundenplan zu haben. Irgendwie ist jeder Tag gleich. Aber darüber nachzudenken es gar nicht mehr zu haben, macht mich auch traurig. Die Fächer, die doch eher peinlich einfachen Tests, meine Lehrer (!) und kreativere Fächer wie Yearbook und Kunst jeden Tag werde ich definitiv vermissen.
  • Mir bleiben nur 4,5 Monate um Englisch zu sprechen. Wow, die Zeit ging schnell um! Sprachenlernen braucht so viel Zeit und bestimmt habe ich mich auch schon stark verbessert, aber ich möchte noch so viel besseres Englisch sprechen können beziehungsweise es auch nicht im Alltag missen in einer anderen Sprache zu sprechen. Das Gefühl zwei Sprachen zu beherrschen, sodass es gut genug ist in einem Land zu leben, wo diese gesprochen werden, macht mich total glücklich 🙂
  • Mir bleiben nur 4,5 Monate für um die USA kennen zu lernen. Hoffentlich werden wir noch mehr verreisen. Ich hoffe, dass wir noch Ohio besser kennenlernen werden und vielleicht können wir auch noch nach Washington D.C.

Columbus zu verlassen macht mich traurig, weil ich nicht alles aufgeben möchte, was ich hier aufgebaut habe, aber auf der anderen Seite freue ich mich natürlich auf meine Familie und Freunde in Deutschland. Ich glaube, das wird noch einmal ein totales Gefühlschaos werden und ich bin gespannt, was ich dann tatsächlich vermissen werde. Vielleicht kann ich dazu ja dann nochmal einen Beitrag schreiben…

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