Erfahrungen anderer Austauschschüler

#3 “Es ist kein Jahr Urlaub sondern am Anfang ernüchternd anstrengend” -Emma in Costa Rica

Yaaayyy, heute könnt ihr schon Teil 3 meiner Serie, in der ich von Erfahrungen anderer Austauschschüler berichte, lesen!

Emma habe ich auf der YFU Vorbereitungstagung kennengelernt und auch danach haben wir uns einige Male in Dresden getroffen. Ich bewundere sie sehr dafür, dass sie sich entschieden hat ein Auslandsjahr in Costa Rica zu machen, ohne Spanischkenntnisse zu haben. Sie ist also direkt ins kalte Wasser gesprungen. Vom 16.08.17 bis zum 03.07.18 wohnt sie in Costa Rica und berichtet ein bisschen von ihren Erfahrungen:

 

*Wie ist deine Gastfamilie aufgebaut? Fühlst du dich zu Hause?

Durch verschiedene Umstände bin ich inzwischen bei meiner 3. Gastfamilie. Sie besteht aus meinen beiden 12 jährigen Gastbrüdern, meinen beiden Gasteltern und noch einem 2 jährigen Pflegekind meiner Familie. Dazu kommt noch ein Hase den man allerdings kaum zu Gesicht bekommt, da er sich die ganze Zeit im Garten aufhält. Ich fühle mich wirklich sehr wohl hier und kann sagen, dass ich sehr viel Glück mit dieser Familie hatte. Jedoch bin ich erst seit 3 Wochen hier und das ist einfach zu kurz um sich wie zu Hause zu fühlen. Ich zweifle aber nicht daran, dass dies noch passiert.

*Hattest du schon Heimweh?

Da mein Leben in Deutschland ziemlich perfekt war als ich gegangen bin und ich am Anfang hier sehr viele Probleme, insbesondere mit der Sprache hatte, habe ich mir öfters vorgestellt wie schön und einfach das Leben in Deutschland jetzt sein könnte. Ich würde es nicht direkt Heimweh nennen, aber doch schon so in die Richtung. Jetzt, wo ich schon etwas länger hier bin, kann ich jedoch sagen, dass mir die Distanz zu Deutschland gar nicht schwer fällt.

*Was ist eine komische Angewohnheit deiner Familie oder deiner Freunde, die du nicht so schnell übernehmen wolltest oder auch nicht hast?

Direkt komische Angewohnheiten im negativen Sinne nicht gab es bisher noch nicht. Aber sehr seltsam finde ich zum Beispiel die Art und Weise wie man hier das Geschirr abwäscht: Zuerst seift man alles gründlich ein, danach spült man es ab und stellt es zum Trocknen neben die Spüle, wo es allerdings quasi nie weggeräumt wird, egal wie vollgestellt der Platz ist bis es wieder benutzt wird. Oder die Angewohnheit meiner Freunde für jede noch so kleine Aktivität 5 Tage im Voraus zu planen und es dann aber trotzdem noch 5000 mal zu verschieben, weil dann doch irgendjemand an dem vereinbarten Tag keine Zeit hat.

Ich muss sagen ich finde die Ticomentalität zum einem manchmal echt ätzend, da sie sehr unzuverlässig, unpünktlich und indirekt ist, was schnell zu Missverstandnissen führen kann und mich auch dazu veranlasst hat bei meiner ersten Verabredung mit Freunden eine ganze Stunde warten zu müssen. Andererseits sind Ticos offene, herzliche und sehr interessierte Menschen, was zu netten Unterhaltungen an der Bushaltestelle, freundlichen Hilfeleistungen oder sehr viel Verständlichkeit und Geduld wenn du mal wieder Sprachschwierigkeiten hast führt. Aus diesem Grund liebe ich Costa Rica. Egal wo du hinkommst du wirst überall mit einem Lächeln begrüßt.

*Bestes Essen?

Ganz eindeutig Gallo Pinto. Das klassische Tico Frühstück bestehend aus Reis und Bohnen. Dazu gibt es Ei.

*Peinlichster Moment?

So wirklich peinliche Momente gab es für mich noch nicht. Glücklicherweise. Jedoch gab es logischerweise schon häufiger Missverständnisse mit der Sprache, die man allerdings einfach mit einem Lachen ignorieren muss, weil man sonst sich unnötig Gedanken macht, da so etwas komplett natürlich ist.

*Was war bisher dein schönstes Erlebnis?

Mein schönstes Erlebnis hier war als ich mein erstes einigermaßen inhaltsreiches Gespräch führen konnte. Es war mit einer Frau an der Bushaltestelle die komplett ignoriert hat, dass ich eigentlich kein Spanisch konnte und immer weiter auf mich eingeredet hat bis ich sie verstanden hatte. Danach war ich unglaublich stolz auf mich.

*Wie ist/war es für dich Anschluss zu finden in deiner Schule?

Anschluss in meiner Schule zu finden war einer der leichtesten Sachen hier. Meine Mitschüler sind sofort auf mich zugekommen und waren hochinteressiert. Mit mir war noch ein anderer deutscher an der Schule und wir beide waren die ersten beiden Tage ziemlich der Mittelpunkt der Klasse. Leider führte es auch dazu, dass wir ziemlich viel Deutsch redeten und dadurch manchmal etwas isoliert waren und wir uns es so ein bisschen schwerer als nötig gemacht haben. Trotzdem war ich in meiner freien Zeit viel alleine, da meine Freunde hier nur sehr wenig sich in der Freizeit treffen und wenn ich mich dann mal doch mit ihnen getroffen habe ging es immer von mir aus.

*Welchen Tipp würdest du einem zukünftigen Austauschschüler geben?

Habe keine Erwartungen. Es ist kein Jahr Urlaub sondern am Anfang ernüchternd anstrengend (vor allem wenn man die Sprache nicht kann, das war bei mir das größte Hindernis) danach jedoch wenn man sich eingewöhnt hat (was ich immer noch nicht ganz geschafft habe) kann man das Land komplett genießen. Ich muss sagen ich bereue meine Entscheidung kein Stück, jedoch habe ich es mir anfangs sehr viel einfacher, vor allem mit der Sprache vorgestellt.

Danke, Emma! 🙂

Ich kann ihr nur zustimmen mit der Erfahrung des Heimwehs. Genauso geht es mir auch. Schnell habe ich die USA mit meinem „perfekten“ Leben in Deutschland verglichen und konnte mich hier nicht so wohl fühlen. Mittlerweile habe ich jedoch so einen Abstand gewonnen, dass es mir einfacher fällt mich auf mein Leben hier zu konzentrieren.

 

Wenn du noch mehr Erfahrungsberichte lesen möchtest, kannst dir den Beitrag über Nick in Chile oder Charlotte in Frankreich anschauen 🙂

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